Musik / Backstage

"Plötzlich bist du Geschichtenerzähler"

veröffentlicht mit "Schlüsselkind" (VÖ: 13.4.) sein erstes deutschsprachiges Album

Lässig sitzt Sasha auf einem großen Sessel in einem Münchner Hotel. Hinter ihm erstreckt sich das herrliche Alpenpanorama. Er scheint sich wohl zu fühlen, berechtigterweise also die Frage: "Wie gut gefällt es Ihnen in München?" Eine Antwort gibt es darauf nicht, stattdessen bricht der 46-Jährige in Gelächter aus. Man solle ihn doch bitte duzen! Seit 20 Jahren feiert Sasha musikalische Erfolge, trotzdem zeigt der Wahl-Hamburger, dass er keineswegs abgehoben ist. Seit seinem Durchbruch mit "If You Believe" wurde den Fans nie langweilig: Zwischendurch erschuf Sasha sein Alter-Ego Dick Brave, er probierte sich als Schauspieler und als Castingshow-Juror ("The Voice Kids"). Mit seinem neuen Album, "Schlüsselkind", offenbart Sasha nun eine weitere Facette seines Könnens, denn der gebürtige Nordrhein-Westfale singt auf Deutsch. Im Interview verrät er, wie es zu dieser Entscheidung kam und warum die Muttersprache bei Künstlern immer beliebter wird.

teleschau: 20 Jahre lang haben Sie erfolgreich englische Hits auf den Markt gebracht, warum singen Sie jetzt auf Deutsch?

Sasha: Die Frage höre ich so oft, weil sie berechtigt ist. Um das zu erklären, hole ich gerne etwas weiter aus, denn das war keine Entscheidung, die von heute auf morgen gefallen ist. Die ersten Berührungen zu deutschen Songs hatte ich Mitte der Neunziger, mit meiner ersten Band, Junkfood. Eigentlich war englische Grunge-Musik unser Stil, aber dann traten Bands wie Selig oder Nationalgalerie auf den Plan, und wir haben uns auch mal in unserer Muttersprache probiert.

teleschau: Warum hat sich das nicht durchgesetzt?

Sasha: Es waren nur Experimente, die aber nicht wirklich zu uns gepasst haben. Nach dem dritten Sasha-Album habe ich das zweite Mal ernsthaft über einen Sprachenwechsel nachgedacht. Das war Mitte der Nullerjahre, und mir stand der Sinn nach Veränderung. Aber alles, was ich dann geschrieben habe, ist ins Komische abgedriftet und war zu witzig. Ich hatte kein gutes Gefühl dabei. Statt deutscher Musik kam dann Dick Brave.

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teleschau: Was hat Sie ausgerechnet jetzt davon überzeugt, den Wechsel zu vollziehen?

Sasha: Das ist etwa vier Jahre her: Ich bin nach Südafrika geflogen, für die erste Staffel von "Sing meinen Song". In den Proben musste ich mich bewusst mit deutschsprachiger Musik auseinandersetzen, auch wenn es nicht meine war. Es hat erstaunlich viel Spaß gemacht, und plötzlich habe ich mich auf Deutsch richtig wohlgefühlt.

teleschau: Waren Sie fest entschlossen oder anfangs doch eher unsicher?

Sasha: Mein Kopf war noch bei dem Sasha-Album, das wir zu dieser Zeit produziert haben. Ich konnte nicht alles umschmeißen. Ich habe mich dann eher langsam rangetastet und geschaut, ob ich es schaffe, deutsche Songs zu schreiben, die sich gut anfühlen. Die zweite Hürde war genommen, als ich feststellte, dass ich diese Songs auch überzeugend singen kann. Da wusste ich: Das deutsche Sasha-Album kommt.

teleschau: Ändert sich der Musikstil automatisch, wenn man plötzlich auf einer anderen Sprache singt?

Sasha: Ja. Davor hatte ich wirklich Angst. Ich wollte Sasha und den ganzen Stil nicht verlieren. Umso erleichterter war ich, als mir nach der ersten Listening Session viele Leute sagten: "Es ist krass: Das ist Sasha, aber eben auf Deutsch." Das hat mich unglaublich beruhigt. Sich bei einer solchen Wandlung nicht zu sehr zu verbiegen, ist verdammt schwer. Der Klang der deutschen Worte unterscheidet sich von dem der englischen, und so muss man eine ganz andere Melodiesprache finden.

teleschau: Lassen Sie sich vom Feedback anderer denn sehr beeinflussen?

Sasha: Nein, generell nicht. Nur meine Ehefrau, die mich auch managt, hat viel damit zu tun, welche Songs umgesetzt werden oder wo etwas geändert werden muss. Sie bekommt viel vorab zu hören, die ersten Entwürfe und die fertigen Songs. Ihr vertraue ich blind, und ihre Kritik ist mir unglaublich wichtig. Allerdings muss auch meine Familie oft dran glauben ...

teleschau: Was soll das heißen?

Sasha: Familie und gute Freunde mussten in langen Nächten viel hören. Aber diese Menschen sind ein guter Indikator, denn sie sind dir nah. Man könnte denken, dass sie sich nicht trauen, etwas Schlechtes zu sagen, aber genau das Gegenteil ist der Fall: Sie üben ehrliche Kritik, weil sie es dürfen.

teleschau: Immer mehr deutsche Künstler entscheiden sich dafür, auf Deutsch zu singen. Wie erklären Sie sich das?

Sasha: Solche Wellen gab es immer wieder. Schlager waren beispielsweise immer unterschwellig da, und im Moment sind sie wieder voll im Trend. Momentan ist deutsche Sprache hip, und immer mehr Musiker trauen sich, deutsch zu singen. Ich denke, die jetzige Bewegung wird sich festsetzen.

teleschau: Wie kommen Sie zu diesem Schluss?

Sasha: Ich glaube, dass sich die Künstler sehr viel Mühe geben und die Qualität viel besser ist als früher. Die Konkurrenz ist größer, und das steigert den Wettkampf. Schauen Sie sich mal die riesigen Shows an, die manch Künstler auf die Bühne bringt. Außerdem kann man in deutschen Texten nichts verschweigen, das macht die Musik authentisch. Plötzlich bist du Geschichtenerzähler, weil die Zuhörer nicht nur die Melodie mögen, sondern unweigerlich auch verstehen, was du ihnen mit dem Song mitteilst. Bei englischen Texten, das kennen wir alle, hört man nicht immer hin oder versucht sie zu verstehen.

teleschau: Die Texte auf Ihrem neuen Album "Schlüsselkind" sind sehr persönlich.

Sasha: Ja, das merkt man bei Songs wie "Der Junge" oder "Schlüsselkind". Bevor ich mit dem Album anfing, dachte ich mir: Welche Erinnerungen oder Themen gibt es, worüber ich noch schreiben möchte. Sich an persönliche Momente zu erinnern, war anfangs am einfachsten, später in der Umsetzung dann manchmal am kompliziertesten, weil man mit Erinnerungen konfrontiert ist und alles richtig darstellen möchte. Das Album hat dadurch sehr viel Tiefgang und Charakter bekommen.

teleschau: Erinnern Sie sich gerne zurück an Ihre Kindheit und Jugend?

Sasha: Je nach dem, an was ich denke. Ich bin ein waschechtes Schlüsselkind, da gab es gute und schlechte Momente: Es konnte bedrückend und einsam sein, wenn man viel alleine war. Später wurde es dann zu meiner großen Freiheit, die ich sehr genossen habe.

teleschau: Gibt es eine bestimmte Botschaft oder ein Gefühl, das Sie aus künstlerischer Perspektive mit Ihrem neuen Album vermitteln möchten?

Sasha: Ich möchte eine ganze Bandbreite von Emotionen bei den Zuhörern auslösen. Sie sollen lachen, weinen oder auch nachdenklich sein. Ich sehe mich als Entertainer und habe dieses Konzept schon immer verfolgt. Jetzt möchte ich es beibehalten, aber mit einer deutschen Identität versehen.

teleschau: Also steht vorerst keine Rückkehr ins Englische im Raum?

Sasha: Ich stehe mit meinem deutschen Album erst in den Startlöchern, da wäre der Gedanke an eine Rückkehr verfrüht. Es hat lange gebraucht, bis sich der Vorgang des Texteschreibens in meinem Kopf von Englisch auf Deutsch umgestellt hat. Ich möchte jetzt gar nicht so weit in die Zukunft schauen. Wer weiß, vielleicht habe ich als nächstes Bock auf eine italienische HipHop-Platte (lacht).

teleschau: Auch eine große Tour steht wieder an.

Sasha: Ja das stimmt, und ich freu mich darauf. Eigentlich sollte das Album eher klein werden, aber jetzt ist es das volle Programm geworden, mit Streichern, Bläsern und Co. Die werden auch live alle dabei sein, das ist eine ganz große Show. Außerdem haben wir etwas zu feiern: "If You Believe" ist genau 20 Jahre her!

teleschau: Wie oft werden Sie auf Ihren Durchbruchs-Hit noch angesprochen?

Sasha: Das hält sich inzwischen in Grenzen. Eine Zeit lang war es störend, dass mich alle nur über einen Song definiert und daran gemessen haben. Aber inzwischen ist das kein Problem mehr für mich. An meinen Verkaufszahlen sieht man, dass ich ein bunt gemischtes Publikum habe: "If You Believe" hat sich als Song am besten verkauft, das erfolgreichste Album war Dick Brave. Auf Spotify ist mein meistgehörtes Lied "Good Days". Bei "The Voice Kids" durfte ich die Erfahrung machen, dass die Kleinen mich von "Good Days" kannten und ihre Mamas mich auf "If You Belive" angesprochen haben.

teleschau: Wenn man auf der Bühne oder vor der Kamera immer gut gelaunt sein muss, nervt das nicht irgendwann?

Sasha: Ja, nach jedem Interview hol ich die Kettensäge raus. (lacht) Nein, Spaß beiseite, jeder hat seine Tage, wo er schlechte Laune hat. Das abzustreiten, wäre schon sehr verlogen. Wenn ich richtig schlecht drauf bin, ist das eher schlimm für meine Mitmenschen, die das ertragen müssen. Trotzdem hat man als Künstler auch Tiefpunkte, und die treffen mich wirklich. Solche Wellen kommen, aber sie gehen auch wieder, und das weiß ich.

Anke Waschneck

Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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