Musik / CD

Depeche Mode: SpiritDrei auf Konfrontationskurs

Die bereits über alle Kanäle ausgespielte Single "Where's The Revolution" braucht kein abschließendes Fragezeichen. Gleich mehrere Ausrufezeichen würden besser passen. Depeche Mode fordern den guten alten Geist ein, der unsere Gemeinschaft zusammenhält. Die dazugehörige Platte heißt folgerichtig "Spirit". Darauf geben sich die Engländer so kämpferisch und verbal direkt wie noch nie zuvor. Der Geist, die Tatkraft, der Mut habe in Zeiten von Rechtspopulismus, Brexit, Trump und Flüchtlingskrise stark gelitten. Man dürfe sich aber nicht geschlagen geben, sonst werden wir versagen und uns zurückentwickeln, heißt es etwa in "Going Backwards".

"Poorman", ein spröder Blues, erzählt zudem vom gnadenlosen Kapitalismus, der Menschen bis zur Obdachlosigkeit treibt. Die Thematik erinnert an das kritische "Everything Counts" aus dem 1983 erschienenen dritten Werk "Construction Time Again", mit dem das damalige Quartett den Durchbruch in Deutschland schaffte. Für die anstehende "Global Spirit"-Tour wurde der Song übrigens wieder ins Live-Repertoire aufgenommen.

Das fragile, karg dröhnende und von Martin Gore gesungene "Eternal" beschwört die Zeiten des Kalten Krieges herauf, in denen radioaktive Wolken die Gegenwart bedrohten. Auch Fake News und der Missbrauch Sozialer Netzwerke sind ein Thema ("The Worst Crime"), begleitend mimt Gahan den geläuterten Crooner. Der Sänger agiert seit "Playing The Angel" (2005) neben Hauptschreiber Martin Gore ebenfalls als Songwriter. Auf "Spirit" ist er mit drei Songs vertreten, die sich wunderbar mit dem Material seines Kollegen ergänzen. Highlight ist das Liebes-Drama "Cover Me", das mit ätherischer Twang-Gitarre bestückt ist, gefolgt vom schleppenden "Poison Heart".

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Vom putzigen Pop der frühen 80-er ist auf ihrem 14. Studio-Album auch dieses Mal nichts mehr zu finden. Ohnehin haben sich die drei Mittfünfziger seit der Jahrtausendwende darauf festgelegt, ein austariertes Verhältnis zwischen Pop und Anspruch zu pflegen, das in einer gelungenen Mixtur aus Industrial-Samples, Blues-Zitaten, analogem Retro-Clash, Alternative Rock und zeitlosen Pop-Melodien resultiert.

Die Rechnung geht abermals auf, auch wenn die Klanglandschaften auf dem Album ein wenig zu vertraut daherkommen. Das anmutende rhythmischen Pluckern, das von bewährten Chillout-Synthie-Schwaden flankiert wird, sowie die bewährte Twang-Figur aus Gores gezupften Elektro-Saiten ("So Much Love"), die seit "Enjoy The Silence" (1990) immer mal wieder auftaucht - ausgebufft und aufmüpfig klingt anders. Das ist allerdings der einzig zu kritisierende Punkt an "Spirit".

Denn Depeche Mode klingen nach wie vor wie keine andere Band. Und der neue Produzent James Ford (Simian Mobile Disco, Arctic Monkeys, Florence + The Machine) sorgt dafür, dass sich auch "Spirit" marginal von den letzten Alben unterscheidet: Der Hang zu entspannenden Ambient-Klängen generiert ausreichend Raum für einen luftiges Hörgefühl, konterkariert von allerlei aufhorchen lassenden Keyboard-Splittern, die sich mehrdimensional um die fließenden Melodien scharen.

Constantin Aravanlis

Audio CD
Bewertungausgezeichnet
CD-TitelSpirit
Bandname/InterpretDepeche Mode
GenreSynth-Pop
Erhältlich ab17.03.2017
LabelColumbia
VertriebSony
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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