Musik / CD

Moses Pelham: HerzDer Schmerz des Bären

Nach den ersten Sendungen der viel diskutierten TV-Show "Sing meinen Song" bekam Teilnehmer Moses Pelham noch Kritik ab. "Moses P. lässt singen", hieß es empört in den sozialen Netzwerken, weil Glashaus-Goldkehle Cassandra Steen das ein oder andere Lied aus dem Repertoire der anderen Musikstars der Staffel an seiner Stelle intonierte. Um genau jenen Job dreht sich die Show. Dann jedoch strafte der 46-jährige Deutsch-Rap-Veteran seine Kritiker Lügen: mit dem intensiven "Meine Heimat", der recht weitreichenden Bearbeitung eines Lena Meyer-Landrut-Titels. Das Ergebnis wurde zum in der VOX-Mediathek meistgesehenen Auftritt der Staffel. Nun folgt mit "Herz" ein komplettes neues Album des HipHop-Altvorderen. Es beweist: Der Mann aus Rödelheim ist künstlerisch keineswegs abzuschreiben.

Drei Titel, die Moses Pelham bereits bei "Sing meinen Song" rappte, haben es auch aufs Album geschafft: Neben den introspektiven "Meine Heimat" und "You Remember" noch das leichtere "M zum O". Gefühlte 90 Prozent des Albums bleiben jedoch im Moll verhaftet. Man hört schmerzreich Gerapptes über schleppende Old School-Beats - was bei einem Künstler, dessen letzte Soloalben "Geteiltes Leid", Teil 1 bis 3 hießen, eigentlich nicht verwundern dürfte.

Pelham, dessen aggressiver Grundton aus Rödelheim-Hartreim-Tagen längst der wortgewaltigen Lyrik eines Elder-Rap-Statesman gewichen ist, liebt den seelisch verwundeten Grundton über ein wenig eckig rollenden Beats. Musikalisch erinnert dies ein wenig an die 80-er und das einflussreiche Duo Eric B. & Rakim - auch wenn Pelham nicht so karg produziert, wie es damals im HipHop üblich war. Hinzu kommt der etwas seltsame Rapstil des Frankfurters, der immer ein wenig hinter dem Beat herzuhechten scheint - was man dem cleveren Produzenten jedoch als gewollt auslegen sollte.

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Vergleicht man Pelham mit anderen Paten des Deutsch-Rap, zum Beispiel den Pop-affinen Fanta 4 oder dem Songwriter- und Soul-Orientierten Max Herre, betreibt der Sohn eines amerikanischen Blues-Musikers das sperrigere Geschäft. Seine Reime sind komplex, vernuschelt und kryptisch. Versteht man bei wiederholtem Hören immer mehr Zeilen, tropfen aus den Wort-Ungetümen lyrisch fein gedrechselte Beobachtungen, vor allem aber viel Schmerz. Es wird jene geben, die Moses Pelhams Sound zu pathetisch finden. Wenn man ihn aber laut und in der richtigen Stimmung hört, klingen Songs wie "Mehr Licht" (mit wunderbarem Kate-Bush-Sample) oder "An alle Engel" ziemlich groß.

Dass Moses P., der als Produzent für die Karrieren von Xavier Naidoo, Sabrina Setlur oder Glashaus verantwortlich zeichnete, ein kluger und gefühlvoller Soundzauberer ist, daran erinnert manche Playback-Arbeit auf diesem sehr persönlichen und eindrücklichen Rap-Album. Schmerz und Urgewalt des Moses Pelham sind sicher nichts für jeden Tag. Vor allem nicht für jene mit Sonnenschein. Der emotionalen Wucht und Seelenöffnung des ehemaligen Frankfurter Aggro-Bären kann man sich jedoch nur schwerlich entziehen.

Eric Leimann

Audio CD
Bewertungüberzeugend
CD-TitelHerz
Bandname/InterpretMoses Pelham
GenreDeutsch-Rap
Erhältlich ab11.08.2017
LabelColumbia
VertriebSony
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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