Musik / CD

Cro: tru.Auch Pandas grübeln

Ist Cros Zeit vorbei? "Unsere Zeit ist jetzt" hieß ein 2016 erschienener Film mit und über den Stuttgarter Rapper. Sehen wollte den aber niemand. Ein Flop - und das erste gescheiterte Projekt des jungen Mannes mit Panda-Maske. Nach seinem Riesenhit "Easy" von 2011 blieb erst einmal gar nichts easy. Erfolge, Erfolge, Erfolge: Über fünf Jahre hinweg war das die Realität. Eine Rezession gab es nicht, eine Depression schon gar nicht. Zumindest war sie nicht sichtbar. Doch die Cro-Fans von damals sind älter geworden. Sie haben gelernt, dass nicht immer alles leicht ist und Spaß macht. Die Welt ist nicht Disney Land, das weiß doch jeder Grundschüler. Ist Cros drittes Album "tru." also aus der Zeit gefallen?

"Meine Zeit ist jetzt / egal, was kommt, Mann ich bleib' relaxt", rappte er in einem Song von 2012. Wahrscheinlich würde er das heute noch genauso machen. Obwohl die dauergrinsende Fassade auf "tru." langsam bröckelt. Klar, Cro ist noch immer so locker, wie er es als Junggebliebener, der alles hat, eben sein kann. Trotzdem scheint er mittlerweile einiges in Frage zu stellen. Auf "Baum" oder "Unendlichkeit" folgen Blicke in die Vergangenheit und Erkenntnisse darüber, dass nicht immer alles "easy" ist und dass irgendwelche Hotelsuiten nicht unbedingt Glück bedeuten. Seine Stimme wird brüchiger, bricht aus dem Korsett der einlullenden Entspanntheit aus. Das Ende: Geschrei. Wahrscheinlich war diese Befreiung vom lachenden Pop-Kumpel nötig, sonst hätte Cro sein Album womöglich gegen die Wand gefahren.

Doch er hat diesen Nullpunkt eben klug umgangen, ohne dabei großartig von seinem Weg abzuweichen. Cro singt noch immer von Cash und Girls oder Girls und Cash in den verschiedensten Variationen. Die Sonne scheint in sein Haus auf einem Hang über Stuttgart, der Benz ist weiß. Alles cool. Wenn mal gar nichts geht, geht's eben ins Ausland, wo die Sonne auch im Winter Vitamin D liefert. Eines der wenigen Probleme ist dann, dass Cro mit der Schnelligkeit der sozialen Medien nichts mehr anzufangen weiß. Es gibt Schlimmeres.

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Aber der Sound hat sich verändert, und das verändert alles. Er ist anarchischer geworden. Der Titel "Unendlichkeit" beschreibt vielleicht auch die unendlichen Möglichkeiten, die Cro in seinem neu eingerichteten Home-Studio hat. Kinder-Keyboards gibt's nicht mehr. Stattdessen ist "tru." voll mit Synthesizer-Experimenten, Drum-Variationen, zugeknallt mit kleinteiligen Versatzstücken aus Soul, R'n'B, Prog-Rock und aktuellen Trap-Sounds. In den besten Momenten erinnert das an Chance The Rappers "Coloring Book"-Album, in den weniger Guten bleibt die Musik noch immer innovativer als die der meisten anderen Deutschrapper.

Die Zeit ist also noch immer Reif für ein Cro-Album. Der Sound ist mit der Zielgruppe erwachsen geworden, die Themenwahl noch immer vorhersehbar, aber interessanter verpackt. "tru." ist letztlich eine von Experimenten getragene, zeitlose Vitamin-D-Dosis für alle und das beste Album in Cros bisheriger Karriere.

Johann Voigt

Audio CD
Bewertungausgezeichnet
CD-Titeltru.
Bandname/InterpretCro
GenreHip-Hop
Erhältlich ab08.09.2017
LabelChimperator
VertriebGroove Attack
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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