Musik / CD

Beck: ColorsEasy Listening ist Punk!

Erst der Rummel, dann der Fall? Nein, Bek David Campbell ist nicht gefallen. Er war trotz seines schon 20 Jahre währenden Erfolgs aber auch nie ein richtiger Popstar. Wenn er als Beck Musik macht, dann fliegt vielleicht mal ein verlorener Tanga auf die Bühne, das war's. 1994 erschien sein Debütalbum "Mellow Gold", und das jonglierte mit den Genres so erbarmungslos, dass sämtlichen Traditionalisten die Ohren schlackerten. Da rappte ein Indie-Bleichgesicht, experimentierte mit Alternative Rock, spielte irgendwann auch Mundharmonika: idiotisch, komisch, gut. Seitdem erschienen unzählige Alben, die unzählige Stile vermischten. 2014 gab es schließlich einen Grammy für Becks "Morning Phase", aber keinen für das Album von Beyoncé. Das hat viele irritiert. Beck spielte danach einfach weiter auf seinen unzähligen Instrumenten und ließ sich nicht beirren. Jetzt ist er 47 Jahre alt und macht auf "Colors" das, was niemand erwartet hätte.

"I've got all the love you need", singt Beck im Titelsong, und das stimmt vielleicht. Es ist aber gar nicht wichtig, wie viel Liebe er nun für wen übrig hat. Obwohl er darüber auf "Colors" natürlich oft singt. Wichtiger ist, dass er nach dem euphorischen Kritikerlob eine Easy-Listening-Platte aufgenommen hat, die ihn zu Beginn seiner Karriere vielleicht zum Superstar hätte werden lassen. Jetzt ist sie nur ein konsequenter Schritt für einen Künstler, der schon immer mit dem Bruch mit eigens geschaffenen Erfolgsformeln spielte.

"Colors" klingt wie eine augenzwinkernde Persiflage auf die Konservendosen-Musik all der großen Airplay-Diven und -Macker. Beck singt und schunkelt und spielt auf synthetisch anklingenden Panflöten. Die Stimmung ist fröhlich, die Beats sind es auch, und irgendwann verschwimmt "Colors" zu einem Jauchzen, das nachhallt. Beck hatte Spaß, so viel ist sicher. Das untermauert er dann auch mit dem Hit "Dreams", der trotz seiner eingängigen Synth-Loops im Refrain eben auch weit mehr ist als ein Partykracher to Go.

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Nur mit Blick auf die Klangfarben wirkt "Colors" recht eintönig. Stilistisch passen die Songs zusammen, die Rhythmen verschieben sich nicht, der Gesang gleitet gleichmäßig zwischen den gefälligen Gitarren-Synth-Abfahrten. Gelegentlich klingt Becks 2017er-Inkarnation auch ein wenig nach MGMT ("Dreams" könnte auch eine Weiterführung von deren Hit "Electric Feel" sein).

Mit diesem Album zieht Beck sich aus einem elitären Pop-Kritik-Kosmos zurück, in den er ohnehin nie gepasst hat. Er lacht leise und freundlich, so stellt man sich das vor, hebt dabei beide Hände, fährt die Mittelfinger aus und freut sich tierisch darüber, nie ein Star gewesen zu sein.

Johann Voigt

Audio CD
Bewertungüberzeugend
CD-TitelColors
Bandname/InterpretBeck
Erhältlich ab13.10.2017
LabelCapitol
VertriebUniversal
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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