Musik / CD

William Patrick Corgan: OgilalaWeniger ist mehr

The Smashing Pumpkins: In den 90-ern war das eine Band, an der kein Rockfan vorbeikam. Insbesondere der charismatische Frontmann mit dem kahlrasierten Kopf wurde zu einer prägenden Figur in der Szene: Billy Corgan. Die Anrede "Billy" gefällt ihm heute wohl nicht mehr. William Patrick Corgan heißt der Mann, der im Frühjahr seinen 50. Geburtstag feierte. Unter seinem vollständigen Namen, respektive dessen Kürzel WPC, veröffentlicht Corgan nun sein zweites Soloalbum "Ogilala". Der "neue" Name ist selbstverständlich ein Signal. Für Reife. Und für Veränderung.

Vielleicht ist er auch ein Signal für eine neue Seriosität? Nachdem Corgan mit seinen letzten Projekten nicht an die einstigen Erfolge der Pumpkins anknüpfen konnte und er parallel zum Musikerdasein seine eigene Wrestling-Show auf die Beine stellte, rief die Ankündigung des neuen Soloalbums bei vielen Beobachtern Skepsis hervor. Was würde dieser einst so gefeierte und doch immer streitbare Mensch diesmal vorlegen?

Von vornherein ein gutes Zeichen war die Unterstützung durch Star-Produzent Rick Rubin. Wer es geschafft hat, Johnny Cash zu neuem Ruhm zu verhelfen und in so gut wie jeder Rock- und Pop-Sparte seine Spuren hinterließ, der wird doch wohl auch für William Patrick Corgan das richtige Mittelchen in seinem Koffer finden. Rubin griff zu einem, das er sehr gerne verwendet: Reduktion. Auf dem Album "Ogilala", das Corgan auch als Soundtrack für einen von ihm mitverfassten Kurzfilm ("Pillbox") verwendet, ist nicht viel mehr zu hören als Stimme plus Piano, Stimme plus Gitarre, hier und da kommen noch ein paar Streicher hinzu, mehr nicht. Die Platte gewinnt dadurch tatsächlich an Wertigkeit.

mehr Bilder

Ein warmes Klavier, viel Melancholie, eingepackt in eine Hommage an David Bowie. Andere würden einen Song wie "Zowie" ans Ende ihres Albums setzen, Corgan stellt ihn an den Anfang und definiert damit den Grundton für das gesamte Werk. Dieser ist - nicht nur aufgrund der prägnanten Stimme - nah genug an den Smashing Pumpkins, um den alten Fans zu gefallen und weit genug davon entfernt, um als eigenständig gelten zu können.

Mit Corgans erstem Soloalbum "The Future Embrace" (2005) hat "Ogilala" wenig zu tun. Rubin habe ihm "die Bürde auferlegt, Liveaufnahmen auf einem molekularen Level abzuliefern", erklärt Corgan. Und er hat abgeliefert. Am Ende landeten auf dem Album einige intensive Glanzmomente ("Aeronaut", "Archer"), in denen Corgan sich endlich wieder als großer Songschreiber präsentiert: Fokus statt Ablenkung; kein kruder Mix, sondern purer Geschmack.

"Ogilala" ist kein Album, auf das die Welt gewartet hat. Es ist aber gut möglich, dass dies das Album ist, auf welches Billy Corgan alias WPC gewartet hat. Zumindest sticht es zwischen seinen letzten Veröffentlichungen deutlich hervor. Lange hat er nicht mehr so aufgeräumt geklungen.

Alexander Diehl

Audio CD
Bewertungüberzeugend
CD-TitelOgilala
Bandname/InterpretWilliam Patrick Corgan
Erhältlich ab13.10.2017
LabelBMG
VertriebWarner
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


Versenden Drucken

Weitere Artikel



JOHANNES OERDING - HUNDERT LEBEN

CD-Archiv

CD-Archiv

Suchen Sie in der Radio Berg - CD-Datenbank nach Interpreten und/oder CD-Titeln.

Ticketshop

Sichern Sie sich im Radio Berg Ticketshop die Tickets Ihrer Wunschveranstaltung!

Anzeige
Zur Startseite