Musik / CD

Taylor Swift: ReputationKampf der Gigantin

Taylor Swift ist aktuell der vielleicht größte Superstar der Welt. Etwa 170 Millionen verkaufte Tonträger, viele Nummer-eins-Hits, alle erdenklichen Musikpreise und beispielloser Social-Media-Fame stehen auf der Habenseite. Man erfährt in geschicker Dosierung immer wieder etwas über sie und ihr Privatleben - das gehört zur Selbstvermarktung, die Swift auf allerhöchstem Level betreibt. Und selbst wenn man noch nie bewusst einen Song von ihr gehört hat: Jeder hat eine Meinung zu der blonden Hitmaschine. Nur konsquent, dass sie auf ihrem neuen Album "Reputation" auch den eigenen Ruf thematisiert.

In der englischen Sprache gibt es einen speziellen Begriff dafür, wenn jemand von einer Berühmtheit ganz besonders fasziniert ist. Im Fall von Taylor Alison Swift scheint gleich eine komplette Generation "starstruck" zu sein. Kurz vor ihrem 28. Geburtstag gibt es also ein neues Album, begleitet von einem extremen Hype, und man wird das Gefühl nicht los, dass es in den seltensten Fällen etwas mit der Musik zu tun hat. Wie die US-Amerikanerin verehrt wird - das hat längst etwas Kultisches. Ein Glück, dass Taylor Swift sich nicht nur darauf verlässt: "Reputation" ist zwar ein durchwachsenes, aber in jedem Fall pulsierendes Album "mit Herz" geworden.

Taylor Swift hat neben dem raketenhaften Aufstieg auch schon einige Verwandlungen hinter sich: Sie wurde vom Country-Star zu Everbody's Darling, zuletzt deutete sich dann wieder ein Neuanfang an. Denn die Faszination um sie, der gefühlt die halbe Welt erlegen ist, hat natürlich nicht nur Vorteile. Als komplizierte Beziehungspartnerin mit hohem Männerverschleiß wurde das All-American-Girl in den Medien dargestellt. Dabei kann man sich leicht ausmalen, wie schwer es für sie sein muss, in ihrem komplett durchgetakteten Popstar-Leben eine Beziehung aufzubauen und dann auch noch zu führen. Kein Wunder, dass Swift den Schnitt wagt und mal ordentlich mit ihrer Reputation aufräumen will.

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Das funktioniert allerdings nur bedingt. Bereits im Video zu "Look What You Made Me Do" wurde die alte Taylor Swift für tot erklärt, ehe sie sich in einen widerspenstigen Zombie verwandelte. Aber natürlich ist die alte Taylor Swift nicht totzukriegen. Mit den Gitarrenstücken der Country-Taylor hat auf "Reputation" kein Song mehr wirklich etwas zu tun. Die stampfenden Drums erinnern eher an das Vorgängeralbum "1989", die hippen Synthesizer-Sounds auch. Songs wie "Delicate" beißen sich an einer kompletten Stilveränderung jedenfalls die Zähne aus, und andere Stücke, etwa "Getaway Car", sind von vornherein recht zahnlos. Und immer, auch unter den musikalisch härteren Nummern, erkennt man wieder Taylor, die wankelmütige Romantikerin.

Das ist etwas bedauerlich, zumal es durchaus Songs gibt, die im Ansatz einen Imagewechsel andeuten, und weil eben diese Songs die besten des Albums sind. "... Ready For It?" trumpft mit krachenden, modernen Effekten auf, während "End Game" mit Parts von Rapper Future und Ed Sheeran zu einem wahren Gigantentreffen wird, bei dem keiner verliert. Der letzte Schritt in eine wirklich neue Richtung wird dann aber doch nie gegangen.

Die Auseinandersetzung mit der eigenen Reputation findet bei Taylor Swift letztlich nicht auf der musikalischen, sondern auf der inhaltlichen Ebene statt, und meist geht es dabei irgendwie um die Liebe. "Don't blame me, love made me crazy, and if doesn't you ain't doing it right", singt Swift beispielsweise. Damit offenbart sie ihre Hingabe und macht sich erneut zu dem Superstar, den man sich als beste Freundin vorstellen kann. Ihre Entscheidungen, ihre Beziehungen: Taylor Swift ist nicht fehlerfrei, und sie verändert sich, bleibt bei der Aufarbeitung all dessen aber ehrlich und glaubhaft. Ob "Reputation" tatsächlich irgendwas an dem Bild ändern wird, das die Menschen von Taylor Swift haben, darf stark bezweifelt werden. Der Faszination Taylor Swift tut das aber keinen Abbruch: Sie bleibt auf "Reputation" eine polarisierende Künstlerin mit einigen Brüchen - und damit bleibt sie interessant.

Arne Lehrke

Audio CD
Bewertungakzeptabel
CD-TitelReputation
Bandname/InterpretTaylor Swift
GenrePop
Erhältlich ab10.11.2017
LabelBig Machine
VertriebUniversal Music
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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