Musik / CD

Project Mama Earth: Mama EarthDa freut sich nicht nur Mutter Erde

"Bitte nicht", wird mancher denken. Wieder so ein Consciousness-Gedaddel für Biotee-Trinker? Auf dem Cover von "Mama Earth" sehen wir die personifizierte Mutter Erde. Sie kommt augenscheinlich aus Afrika, wo die Wiege der Menschheit liegt, aber aufgepasst, auf ihrem Bauch sehen wir eine Weltkarte. Es geht also ums große Ganze. Mutter Erde wirkt stolz, aber auch ein bisschen besorgt. Und jetzt sollen wir dieses Album anhören und dann aufhören, Plastiktüten zu kaufen, ja? Das würden sich die Verantwortlichen hinter Project Mama Earth, darunter Joss Stone, wahrscheinlich wünschen. Vielleicht auch, dass wir weniger Rindfleisch essen und fremden Kulturen offener gegenübertreten. Glücklicherweise traf das Künstler-Kollektiv aber nicht nur zusammen, um die Welt zu verbessern.

Projekte wie dieses haben es immer schwer. Weil wir sie schon vom übernächsten Plattenregal aus als belehrend und unsexy identifizieren, und weil das Entertainment, das ja irgendwie auch zu einer CD gehört, bei solchen Produktionen erfahrungsgemäß oft auf der Strecke bleibt. Wenn erst das Programm kommt und dann die Musik, wirkt das Ergebnis meist engstirnig und verkrampft. Bei Project Mama Earth verhält es sich anders. Ja, das hier ist Consiousness-Gedaddel, in erster Linie aber ist "Mama Earth" ein sehr gelungenes Experiment.

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Initiator Jonathan Joseph fragte sich am Anfang nicht, wie er Mutter Natur besänftigen kann, sondern wie sich wohl ein Album umsetzen ließe, das auf den alten kamerunischen Rhythmen Mangambe und Bikutsi basiert. Dann hat der Drummer dasselbe auch seine Freundin Joss Stone gefragt, mit der er schon auf deren Debüt "The Soul Sessions" (2003) zusammenarbeitete. Die inzwischen 30-jährige Grammy-Gewinnerin, die sich unter anderem für Tierschutz einsetzt und immer wieder unkommerzielle künstlerische Ausflüge wagt, bot sich sodann als Sängerin an. Irgendwann fanden sich Joseph und weitere international renommierte Musiker in Stones Zuhause im britischen Devon ein, um zehn Tage lang intensiv an "Mama Earth" zu arbeiten.

Während die Instrumentalisten ihrer Kreativität im Studio freien Lauf ließen, schrieb Stone am Seeufer ihre Texte und kochte Essen. "Die Chance, dass alles in einer musikalischen Katastrophe enden würde, war groß", erklärt Joseph rückblickend. Von einer Katastrophe ist auf dem halbstündigen Album aber nichts zu hören. Der lebhafte afrikanische Soul-Funk, die Texte über Mutter Erdes Sicht auf die Welt, der leidenschaftliche Gesang und Stones Essen - das alles scheint während dieser zehn Tage in Devon einfach perfekt zusammengepasst zu haben. Das hört man nun auch auf "Mama Earth", einem spannenden Multikulti-Album, das zum Glück mindestens so viel Qualität wie Haltung mitbringt.

John Fasnaugh

Audio CD
Bewertungüberzeugend
CD-TitelMama Earth
Bandname/InterpretProject Mama Earth
Erhältlich ab10.11.2017
LabelMascot
VertriebRough Trade
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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