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Star Wars Battlefront 2Erschütterung der Macht

Ein brachialer User-Shitstorm, Morddrohungen an die Entwickler, stornierte Vorbestellungen und angeblich sogar ein erboster Zwischenruf von "Star Wars"-Rechte-Inhaber Disney: Die schnell eskalierte Debatte um Mikro-Transaktionen im neuen "Battlefront" überschattet die Veröffentlichung des Shooters, der mithilfe des kommenden "Star Wars"-Films "Die letzten Jedi" (Start: 14.12.) ein Millionenpublikum erreichen sollte. Dabei bietet der actiongeladene Rundumschlag durch 30 Jahre Sternenkrieg genug Stoff, um auch ohne Ingame-Käufe eine Debatte wert zu sein: Zahlreiche Änderungen beim Multiplayer-Spiel und die neue Singleplayer-Kampagne hinterlassen ein teilweise dramatisch anderes Bild als beim Vorgänger.

Zahlungspflichtige Loot-Boxen: Sie kommen aktuell in zahlreichen aktuellen Spielen ("Forza Motorsport 7", "Mittelerde - Schatten des Krieges", "Assassin's Creed Origins") zum Einsatz - doch "Star Wars: Battlefront 2" brachte das Fass zum Überlaufen, die Fans und sogar ganze Staaten gegen sich auf. Belgien stuft den Kauf von virtuellen Gimmicks und Vorteilen aus einer Zufallsbox als Glücksspiel ein und fordert gar ein EU-weites Verbot. EA hat auf massiven Druck das System mittlerweile abgeschaltet - der Test setzt sich mit der aktuellen Fassung auseinander.

Von "Star Wars"-Fans wurde vor allem der Story-Modus herbeigesehnt - ein Element, das "Battlefront" helfen soll, mehr als nur eine anonyme Sammlung von Multiplayer-Maps zu sein. Und tatsächlich: Die Geschichte um die imperiale Spezial-Agentin Iden Versio erlebt einen grandiosen Auftakt, der schließlich in der Schlacht um Endor und der Zerstörung des Todessterns am Ende von Episode 6 gipfelt.

Was auf diese dramatischen Ereignisse folgt, ist allerdings ein weitgehend vorhersehbarer Shootout gegen nicht allzu clever agierende Computer-Schergen, der überwiegend mit dem Gameplay und den Karten des Mehrspieler-Teils gestaltet wurde. Dabei werden ganze fünf der insgesamt zwölf Story-Abschnitte nicht in der Rolle Versios bestritten - stattdessen schlüpft der Spieler in die Kampfstiefel von "Star Wars"-Legenden wie Luke Skywalker, Han Solo oder Prinzessin Leia. Schade: Die wenig eindrucksvollen Auftritte der Helden rauben Versio kostbare Spielzeit, in der sich ihre Geschichte ordentlich entfalten könnte. Übrig bleibt der Eindruck einer Alibi-Kampagne, die wenig mehr ist als ein zusätzliches Feature.

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Wer dieses "Feature" nach fünf, sechs Stunden abgeschlossen hat, dem bleibt nur noch das "Arcade"-Spiel, um seine Solo-Gelüste auszuleben: Dieser von Bots bevölkerte Modus tritt an die Stelle der "Missionen" aus dem ersten Teil. Wer die vorgefertigten Szenarien abgeschlossen hat, darf mithilfe von rund einem Dutzend verschiedener Parameter sogar eigene Einsätze entwerfen - einen dazu passenden Level-Editor bringt "Battlefront 2" allerdings nicht mit.

Wirklich glücklich werden nach wie vor jene Spieler, denen der Sinn nach geselliger Imperiums- und Rebellen-Schießbude steht: Obwohl die Entwickler hier von ehemals neun auf fünf Spielarten reduziert haben, wird reichlich Action-Abwechlsung geboten. Nutznießer der Reduktion sind die drei zentralen Multiplayer-Modi "Galaktischer Angriff" (ehemals "Walker-Angriff"), "Gefecht" (früher "Team Deathmatch") und "Helden gegen Schurken", denen man dafür umso mehr Aufmerksamkeit gewidmet hat.

Die ersten beiden bieten große Schlachten auf besonders weitläufigen Maps - darüber hinaus sorgen sich ständig ändernde Mission-Parameter für ein besonders anspruchsvolles Spiel-Erlebnis. Bei "Helden gegen Schurken" wiederum übernehmen jeweils vier Spieler die Rollen bekannter "Star Wars"-Größen, die entweder für die helle oder die dunkle Seite der Macht Laser-Schwert beziehungsweise Blaster ziehen. Die volle Breitseite "Krieg der Sterne"-Feeling gibt's aber in den gigantischen Raumschlachten: Sich mit kreischenden TIE-Jäger-Schubdüsen an die X-Flügel eines Rebellen zu heften, während im Hintergrund Sternenzerstörer und Rebellen-Kreuzer aus allen Rohren aufeinander feuern - das ist "Star Wars" pur.

Denn obwohl sich auch das neue "Battlefront" in erster Linie an Gelegenheitsspieler richtet, zieht die Inszenierung auch mühelos solche Vorlagen-Fans in ihren Bann, die sonst professionellere Shooter-Kost bevorzugen. Ob man sich nun vor klassischer Kulisse wie Tatooine, Hoth und Endor Zunder gibt oder in neuen Film-Szenarien wie der Starkiller-Basis oder auf dem Wookie-Planeten Kashyyyk das Feuer eröffnet - so viel dicht gerendertes und stimmungsvoll beleuchtetes "Star Wars"-Ambiente gab's noch nie. Gerade Besitzer aktueller Konsolen-Modelle wie PS4 Pro oder Xbox One X kommen in den Genuss eines fast schon rekordverdächtigen Detail- und Effekt-Spektakels.

Aber schöne Pixel können nicht von der hässlichen Diskussion über die Loot-Boxen ablenken. Das, was EA ursprünglich geplant hatte, war eine Pay2Win-Okönomie vom Feinsten - in einem Vollpreis-Titel mit kompetitivem Charakter: Individuelle Fähigkeiten waren in den Online-Duellen letztlich weniger wert als bezahlte Vorteile, die den Weg zum Erfolg ebneten. Aktuell hat Electronic Arts das von vielen Fans als "gierige, wenn nicht gar räuberische" angeprangerte Geschäftsmodell abgeschaltet - wie sich die Echtgeld-Investitionen künftig auf die Spiel-Balance auswirken werden, ist noch unbekannt. Alternativ können die zur Charakter-Entwicklung nötigen "Meilensteine" und virtuellen Trading-Cards ("Starcards") ebenso wie optionale Spielfiguren wie Darth Vader zwar auch freigeballert werden - aber das dauert.

Robert Bannert

Game
SpielnameStar Wars Battlefront 2
HerstellerDICE
VertriebElectronic Arts
Erhältlich ab17.11.2017
Bewertung Gesamtgut

Erhältlich für:
PlayStation, Xbox, PC / Mac

Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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