Samstag, 18.08.2018
00:42 Uhr


Games / Spieletests

Sea of ThievesDas X markiert die Stelle

Monate bevor Ubisoft mit den Piraten-Pötten aus "Skull & Bones" aus allen Multiplayer-Rohren feuert, schickt der britische Traditions-Entwickler Rare seine Vision digitaler Piraterie auf die virtuellen Weltmeere. "Sea of Thieves" läuft exklusiv auf Xbox One und PC vom Stapel - und anders als bei Ubisoft geht es in dem Mehrspieler-Abenteuer eher humorig zur Sache. Aber vor allem geht es um eins: Um die Suche nach dem Schatz - und wie es sich für das Genre gehört, markiert ein X die Stelle ...

Doch bevor man eifrig Dukaten zählen und Piraten-Kollegen in voller Montur aus einer Kanone schießen darf, wird das Alter Ego gewählt: Im Gegensatz zu den meisten Online-Games darf das eigene Antlitz nicht selbständig aus einer Vielzahl von Skins, Klamotten und Accessoires gebastelt werden. Stattdessen bietet "Sea of Thieves" mehrere nach dem Zufallsprinzip erstellte Seebären an. Bei Nichtgefallen würfelt das Programm neue Figuren zusammen - willkommen in der Algorithmus-gesteuerten Piraten-Fabrik!

Aber keine Sorge: Ausgesprochene Sympathie-Träger und Identifikationsfiguren gibt es sowieso keine - der britische Entwickler Rare, berühmt geworden durch n64-Spiele wie "Golden Eye" und "Banjo-Kazooie", setzt nämlich auf Genre-gerechte Hässlichkeit im Comic-Look. Schmerbäuchige Schiffsköche mit Augenklappe und Rum-Fässchen unter dem Arm, zahnlose Amazonen mit Holzbein, einarmige Banditen mit Papagei und dicker Schnapsnase: Ja, genau so müssen Piraten aussehen!

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Hat man sich entschieden, geht's entweder an Bord einer großen Galeone oder kleinen Schaluppe auf hohe See und fröhliche Kaperfahrt: Die entweder aus zwei oder vier Freibeutern bestehende Mini-Mannschaft übernimmt fortan alle Aufgaben an Bord (Segel hissen, navigieren, Ausschau halten), verkloppt aufdringliche Skelette, durchlöchert mit der Zunderbüchse feindliches Piratenvolk, stutzt übergroßen Kraken die Greifarme und hebt Geschmeide-gefüllte Schatullen - natürlich streng nach Schatzkarte!

Je nachdem, welcher von drei Fraktionen man zuarbeiten möchte, werden außerdem noch Waren von A nach B verschifft. Abwechslung, die über die wenigen Missions-Gattungen hinausgeht, müssen sich die Spieler selber schaffen. Denn nach Herzenslust Schabernack treiben zu können - das ist die starke Seite von "Sea of Thieves": Musizieren, Kollegen aus der Kanone schießen und sinnlose Besäufnisse mit stilechter Kotz-Orgie am Ende sorgen für gute Laune und erwärmen das kalte Piraten-Herz. Ebenso wie die Fahrt über ein wunderschön präsentiertes 3D-Meer, das mit seinen Schaum-gekrönten Wellenkämmen, verblüffend echter Wasser-Physik und malerischer Beleuchtung seinesgleichen sucht.

Doch trotz launiger Koop-Abende und einiger packender Seeschlachten gegen andere Spieler-Teams bietet "Sea of Thieves" für 60 bis 70 Euro aktuell zu wenig Inhalt: Ein echtes Spielziel gibt es ebenso wenig wie die Möglichkeit, den eigenen Charakter zu verbessern - Zubehör für Figur wie Schiff sind nämlich rein kosmetischer Natur.

Obendrein macht die Erforschung der Comic-Karibik nur im Zusammenspiel mit einer eingeschworenen Freundes-Truppe richtig Spaß: Weil das Spiel seine Mechanismen nicht erklärt, ist anfangs Experimentieren angesagt - und wer dabei in eine zufällig zusammengewürfelte, womöglich fremdsprachige Truppe katapultiert wird, hat das Nachsehen. Zwar darf man die "Sea of Thieves"-See an Bord einer kleinen Schaluppe auch allein bereisen, aber ohne herum blödelnde Mitspieler hat das Abenteuer kaum einen Reiz.

Robert Bannert

Game
SpielnameSea of Thieves
HerstellerRare
VertriebMicrosoft
Erhältlich ab20.03.2018
Bewertung Gesamtgut

Erhältlich für:
PC / Mac, Xbox

Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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