Games / Reportage

Rückblick: Das waren die Games im April

Wissen, was gespielt wird

Nostalgie ist in der Games-Branche nach wie vor schwer angesagt: Im April gab es scharenweise Wiedersehen mit alten Bekannten, aber auch ein paar echte Pixel-Neuheiten. Die Spiele des Monats kurz und knapp im Rückblick.

Warhammer 40.000: Dawn of War 3 (Relic, PC): Es dauert nicht lange, dann dämmert's: Mit "Dawn of War 3" versucht Entwickler Relic, das Beste von gestern und heute zu vereinen: Basis-Bau, Ressourcen-Management und das Kommandierenriesiger Armeeverbände wie in den Anfangstagen des Echtzeitstrategie-Genres treffen unter großem Getöse auf das Taktieren mit einer Handvoll besonders schlagkräftiger Helden - die aktuellen Publikumslieblinge "League of Legends", "Dota 2" und Co. lassen grüßen. Und der von den Usern aktiv herbei gewünschte Spagat klappt! Das Ergebnis ist ein intensives Strategiespektakel, das jedoch einen leistungsstarken PC voraussetzt.

Mario Kart 8 Deluxe (Nintendo, Switch): Zum Start der neuen Nintendo-Konsole Switch Anfang März konnte Kultklempner Mario nicht viel beisteuern. Nun gibt es immerhin "Mario Kart 8 Deluxe" - eine rundum überarbeitete Fassung des erfolgreichsten Wi-U-Titels. Und um es kurz zu machen: Nintendo gelingt das Kunststück, den famosen Fun-Racer mit der unkaputtbaren Grundidee noch besser zu machen - angefangen bei der flotten Grafik-Performance über die brandneue "Schlau-Steuerung" für Anfänger bis hin zum gewaltigen Umfang. Wer die 48 hervorragend designten Strecken vorwärts, rückwärts und in allen fünf Motorklassen aus dem Effeff beherrscht, darf sich in den neuen Schlachtenmodus stürzen. In speziell angelegten Arenen machen Spieler online, im Splitscreen oder im lokalen Verbund mehrerer Switch-Konsolen Jagd aufeinander, um sich gegenseitig Ballone, Münzen oder Insignien abzuluchsen. Wer die Wii-U-Version bereits im Regal stehen hat und auch noch die Strecken-Addons dazugekauft hat, kann sich die Neuanschaffung sparen. Für alle anderen Switch-Besitzer ein klarer Pflichtkauf - und vermutlich Dauergast in der Konsole bis zum Erscheinen von "Mario Kart 9".

Guardians of the Galaxy: The Telltale Series (Telltale, PC, Xbox One, PS4, Mobile): Pünktlich zum Kinostart von "Guardians of the Galaxy Vol. 2" am 27. April schicken die Adventure-Experten Telltale nun Star-Lord, Rocket, Drax, Gamora und Groot episodenweise auf eine Odyssee durchs Weltall, wo ihnen unter anderem der böse Titan Thanos begegnet. Telltale-typisch wird bei der Jagd auf ein mächtiges Artefakt mehr gesprochen als geballert und geknobelt. Der durchgedrehte Humor der Kino- und Comic-Vorlage kommt jedoch nicht zu kurz. Wie sich getroffene Entscheidungen auf den Story-Verlauf auswirken, erfährt man erst in den folgenden Episoden, die zeitnah folgen sollen.

The Sexy Brutale (Cavalier Game Studios, PC, PS4, Xbox One): In "The Sexy Brutale" von Cavalier treffen die beiden Filmklassiker "Und täglich grüßt das Murmeltier" und "Eine Leiche zum Dessert" aufeinander: Die Gäste einer Casino-Villa werden ermordet - und der Spieler ist so lange in einer Endlos-Zeitschleife gefangen, bis er den Mörder dingfest macht. Äußerst hilfreich dabei: verschiedene Masken mit unterschiedlichen Fähigkeiten, die man erhält, wenn man eine Figur durch die Manipulation der Umgebung vor dem sicheren Tod bewahren konnte. Die morbide Geschichte, die einzigartige Spielmechanik und die elegante Aufmachung inklusive Jazz-Soundtrack machen "The Sexy Brutale" zum echten Geheimtipp!

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Little Nightmares (Tarsier Studios, THQ Nordic, PC, PS4, Xbox One): Im schaurigen Rätsel-Jump&Run "Little Nightmares" will das kleine Mädchen Six aus einem Alptraum entkommen - doch das ist alles andere als einfach. Das von Geschicklichkeits-, Schleich- und Knobel-Elementen geprägte Spiel erinnert vom ersten Moment an überdeutlich an "Limbo" und "Inside". Es gibt keine Anweisungen, keine Erklärung - nur Aufgaben und Bedrohungen in fantastisch-bizarr gestalteten Kulissen. "Little Nightmares" funktioniert allein über die Bildsprache - es wird kein einziges Wort gesprochen. Blöd nur, dass die Auflösung des Ganzen nach rund vier bis fünf Stunden Kopfkino arg unbefriedigend ausfällt ..

Everything (David O'Reilly, PS4): "Everything" als "kurios" zu bezeichnen, trifft die Sache nicht mal annähernd. Der irische Künstler David O'Reilly hat einen virtuellen Kosmos geschaffen, in dem man schlicht alles sein kann: ein Bakterium, ein Zigarettenstummel, ein Esel, ein Baum, eine Packung Milch, ein Berg, ein Planet oder auch gleich eine ganze Galaxie ... Per Knopfdruck ergreift man Besitz - oder erfährt Profanes bis Tiefsinniges anderer Existenzen, garniert von kurzen Ton-Ausschnitten aus Vorlesungen des englischen Philosophen Alan Watts über die Untrennbarkeit aller Dinge. Die Frage, ob "Everything" noch ein Spiel, Kunst oder esoterisch-überladener Krempel ist, verblasst angesichts der umwerfenden Andersartigkeit, des feinen Humors, des beeindruckenden Wechsels zwischen Mikro- und Markrokosmos - und der Tatsache, dass man das Gamepad auch einfach beiseitelegen kann, um zuzusehen, wie sich "Everything" selbst spielt. Eine Erfahrung in jeder erdenklichen Art.

Syberia 3 (Microids. 20. April, PC, PS4, Xbox One, Switch): Nach 13 Jahren Pause kehrt die schöne Pixel-Anwältin Kate Walker auf den Bildschirm zurück. Die Verschwörungsgeschichte von "Syberia 3" inklusive Russen, Nazis, Steam-Punk-Elementen, Stammesriten und Katastrophen mag nahtlos an Teil zwei anknüpfen. Technisch erstrahlt das Adventure mit seinen frostig-intensiven Landschaften und glaubwürdigen Charakteren jedoch in einem modernen und eigenwilligen 3D-Gewand. Die Rätsel wurden gut in die Story eingebettet, die mitunter zickige Kameraführung, die teils abgehackte Sprachausgabe sowie die nicht sonderlich gelungene und auf Konsolen-Gamepads ausgelegte Steuerung sorgen für frostige Stimmung bei den Käufern. Nicht wenige sprechen von einer "technischen Katastrophe".

Full Throttle Remastered (Double Fine, PC, PS4): Mit Vollgas über die Adventure-Highways von vorgestern: "Full Throttle" war einer der letzten, nicht ganz unumstrittenen Titel der Lucas-Arts-Adventure-Ära. 22 Jahre später unterzog Erfinder Tim Schafer das eigene Biker-Road-Movie einer Generalüberholung. Wie bei den Remaster-Versionen von "Monkey Island", "Grim Fandango" und "Day of the Tentacle" darf der Spieler jederzeit zwischen dem Pixel-Original und der neuen, feiner gezeichneten HD-Version im cineastischen 16:9-Format wechseln. Spielerisch blieb alles beim Alten. Empfehlenswert: die untertitelten Audiokommenatare von Schafer und Co., die überaus kuriose Einblicke in die Produktion des Adventures geben. Oder hätten Sie herausgehört, dass für die Motorensounds der rivalisierenden Biker-Gamgs das Brummen von Bienen in einem Glas aufgenommen wurde?

Wonder Boy: The Dragon's Trap (Lizardcube, PS4, Xbox One, Switch): Und noch ein Wiedersehen mit einem alten Bekannten: Die Jump&Run-Abenteuer des knuffigen Pixel-Helden "Wonder Boy" dürften in erster Linie all jenen ein Begriff sein, die munter auf die 40 zusteuern. 28 Jahre nach der Erstveröffentlichtung auf dem Sega Master System erfährt mit "Dragon's Trap" der dritte Teil der Reihe ein mehr als charmantes Remake - mit wundervollen, handgezeichneten Grafiken, ulkigen Gegnern und einem verfluchten Helden: Der wurde selber zum Drachen und sucht jetzt mit allerlei aberwitzigen Monster-Fähigkeiten nach Heilung. Das Gameplay von damals packt noch immer, wirkt aber auch ein wenig altbacken - und kann für ungeübte Spieler schnell frustierend sein. Krasser Kulturschock: Auf Knopfdruck kann zur alten Optik inklusive Röhrenfernseher-Linien und Retro-Sound gewechselt werden ...

Bayonetta (Sega, PC): Segas völlig abgedrehte Effekt-Schlacht "Bayonetta" verfrachtete 2009 Xbox-360- und PlayStation3-Zocker in den schrägsten Action-Kosmos seit Langem - irgendwo angesiedelt zwischen kreativem Genie und Bit&Bytes gewordenem Wahnsinn. Die Geschichte um eine sexy Hexi? Komplett Gaga. Und dennoch: Das Game war ein berauschendes Erlebnis! Sieben Jahre später gibt's das ebenso laszive wie absurde Abenteuer auch für PC - ultra-hoch-aufgelöste Reize und geschmeidige 60 Bilder pro Sekunde inklusive. Und das für gerade einmal 20 Euro. Zuschlagen!

X-Plane 11 (Aerosoft, PC, Mac): Die elfte Auflage des ultrarealistischen Flugsimulators "X-Plane" hebt ab! An Bord der Box-Version: Sage und schreibe neun DVDs mit zahlreichen neuen Flugzeugen inklusive authentischer 3D-Cockpits, Landschaften auf Basis von Open-Street-Map-Daten sowie über 3.000 Flughäfen, die sich ansteuern lassen. Grafik, Licht- und Leuchteffekte wurden ebenso komplett überarbeitet wie die Benutzeroberfläche, über die sich alle Einstellungen und Wetteroptionen vornehmen lassen. 80 Gigabyte Datengepäck für Enthusiasten!

Yo-Kai Watch 2 (Nintendo, 3DS): Spielzeug, Bettwäsche, Süßigkeiten, Sammelbilder, Mangas - binnen kurzer Zeit wurden die niedlichen "Yo-Kai"-Figuren zu wahren Popstars in Fernost. Und zu Großverdienern - mit mehreren Milliarden Euro Umsatz. Der Kombination aus TV-Serie, Kinofilm und Videospiel sei Dank. Nun gibt's "Yo-Kai Watch 2" für 3DS in zwei unterschiedlichen Ausführungen - die "Pokémon" lassen grüßen. Wieder macht man Jagd auf über 400 seltsame Geister, die sich in den Alltag der Menschen einmischen. Die Handlung knüpft nahtlos an den Vorgänger an und lässt Held Nathan nach zähem Einstieg sogar auf Zeitreise gehen. Das Kampfsystem wurde um ein paar Minispiele erweitert, ist aber immer noch recht passiv. Dafür haben Größe und Umfang deutlich zugelegt.

Blackwood Crossing (PaperSeven, PC, PS4, Xbox One): Im Zug nach Nirgendwo: "Blackwood Crossing" erweist sich trotz der bunten, Trickfilm-ähnlichen Aufmachung als ebenso intensives wie trauriges Mystery-Adventure, das in seiner Erzählweise den Filmen "Shutter Island" und "Inception" nacheifert. Träume, Erinnerungen, Realität - alles verschwimmt und verfehlt nicht seine Wirkung beim Spieler. Kurz, aber ergreifend!

Yooka-Laylee (Playtonic, Xbox One, PS4): Die Ähnlichkeit ist kein Zufall: "Yooka-Laylee" tritt in die Fußstapfen des Jump&Run-Klassikers "Banjo-Kazooie". Mehrere der alten Original-Entwickler sind für das via Crowdfunding finanzierte Konsolenspiel verantwortlich. Und tatsächlich: Von den beiden herzensguten Comic-Helden über die ausladenden, frei begehbaren Spielwelten bis hin zum Kontroll-Konzept hält sich "Yooka-Laylee" geradezu sklavisch an die berühmte Vorlage. Statt Bär und Strauß sind's diesmal Chamäleon und Fledermaus, die sich in fünf Welten mit ihren Fähigkeiten gegenseitig aus der Patsche helfen und ein tierisches Schurken-Duo stoppen müssen. Das alles ist herzallerliebst in Szene gesetzt, nur echte Neuerungen sucht man in diesem kunterbunten Retro-Trip vergeblich.

The Franz Kafka Videogame (Daedalic, PC): Puzzles, Logik- und Zahlenrätseln - mit einem Schuss Surrealem, das verspricht "The Franz Kafka Videogame". Und hält das auch. Dem literarischen Werk des Namensgebers wird das hübsch illustrierte Knobel-Adventure allerdings nur bedingt gerecht.

PaRappa the Rapper Remastered (Sony, PS4): Lässige Dance-Moves, coole Comic-Figuren und jede Menge durchgeknallte Songs: Sony verpasst seinem ehemals revolutionären PSOne-Oldie "PaRappa the Rapper" das längst überfällige Remaster-Revival. 21 Jahre nach dem ersten Auftritt des HipHop-Hunds hat der Wegbereiter des modernen Rhythmusspiels wenig von seinem Charme verloren. Die Level von einst sind nun dank 4K-Auflösung gestochen scharf, die Bewegungen sauber und flüssig. Lediglich den Zwischensequenzen sieht man das Alter ein wenig an. Ein Stück PlayStation-Historie in modernem Gewand!

LEGO City Undercover (TT Games, Warner; PS4, Xbox One, Switch): Vor vier Jahren gehörte das "GTA"-ähnliche Open-World-Abenteuer "LEGO City Undercover" zu den wichtigsten Starttiteln für Nintendos Wii U-Konsole: Jetzt startet die aberwitzige Jagd des Cops Chase McCain nach dem entflohenen Gangsterboss Rex Fury auch auf Switch, PS4 und Xbox One - mit aufgebohrter Grafik und spaßigem Koop-Modus inklusive. Mehr als nur einen Blick wert!

Snake Pass (Sumo Digital, PC, PS4, Xbox One, Switch): Hier wird nicht gesprungen und gerannt, sondern gekrochen! In "Snake Pass" vom "Little Big Planet 3"-Macher Sumo Digital übernehmen PC- und Konsolenspieler die Steuerung der Schlange Noodle - und müssen dabei ihre Hirnwindungen völlig umkrempeln. Nur wer feinfühlig seinen flexiblen Körper um wacklige Bambusgerüste, Rohre und Schalter wickelt, schafft es zum Ausgang der kunterbunten Dschungel-Level. Die Idee ist kurios, die Umsetzung ein bissssssssssschen träge.

Persona 5 (Atlus, PS4): Eine Gruppe Teenager führt in "Persona 5" ein aufregendes Doppelleben. Tagsüber wird die Schulbank gedrückt und der übliche Highschool-Horror bewältigt, nachts erkundet man als "Phantom Thieves" das magische Metaverse, in der finstere Sehnsüchte von Menschen Gestalt annehmen. Käufer erwartet ein im besten Sinne traditionsbewusstes Rollenspiel aus Japan - mit taktischen Kämpfen und einem Feuerwerk aus Coolness und Kreativität. Die Vorgänger muss man nicht gespielt haben - dafür sollte man umso mehr Zeit mitbringen. Die Story mit ihren Dutzenden Charakteren, oft parallel verlaufenden Handlungssträngen und unzähligen Ablenkungen inklusive Monsterzucht erweist sich als wahrer Freizeitfresser.

Gerd Hilber

Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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