Musik / CD

Erik Cohen: IIIDer dritte Mann

"Die Mädels finden's krass, wie ich abstylen tu. Die Leute haben Respekt, und das solltest auch du. Denn ich komme weltweit. International." Das diktierte Erik Cohen 2008 einem Journalisten in die Feder. Damals trat er noch als Jack Letten auf und war primär Frontmann der Hardcore-Punkband Smoke Blow. Ein paar Jahre später war Schluss mit der Band. Statt sich dann wieder mit seinem bürgerlichen Namen Daniel Geiger anzufreunden, mutierte Letten zu Cohen und spielte fortan vergleichsweise gemäßigten, deutschen Rock. Das Rezept hat sich bewährt, und so sollte auch das neue Album "III" bei Genrefreunden gut ankommen.

Er könnte vielleicht wirklich noch groß rauskommen mit dieser Musik. Ganz so krass abstylen, wie er glaubt, tut Erik Cohen aber nicht. Seine neuen Songs bedienen sich altbekannter Harmonien und gängiger Formeln. Der Griff in die Elektronik-Trickkiste, den Cohen in der Vergangenheit ab und zu tätigte, bleibt diesmal allerdings aus. In Zeiten, in denen technisch nichts unmöglich scheint, gewinnt schließlich auch das Prinzip der Reduktion an Attraktivität. Punkrock, Rotzrock, Poprock. Hauptsache Rock.

"Lieder von Blutrausch und Liebe" besingt Cohen im Opener "Mexikanische Lieder". Eben diese tauchen dann auch im weiteren Verlauf des Albums wieder auf: Die Liebe zum Fußball spielt ebenso eine Rolle ("Englische Wochen") wie der drohende Blutrausch, wenn auf der Autobahn wieder mal nichts vorwärts geht ("Belphegor"). Die Themen sind ähnlich fest in der Alltagserde verwurzelt wie die Musik. Kurz, prägnant, umgehend im Wohnzimmer, der Stammkneipe oder im Stadion mitsingbar.

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In "Fährwolf" gibt es etwas AC/DC-Groove, ein "Altes Feuer" hängt mit der "Spur der Steine" einen nachdenklichen Schleier auf. Wenn Cohen schließlich preisgibt, dass er "Hart am Overkill" sei, glaubt man ihm sofort - und atmet erleichtert auf, wenn er hinterherschiebt: "Doch es geht mir gut."

Eventuell anrollende Tränen verlieren sich auf "III" im Rauch einer Zigarette, die Melancholie versinkt in einem Kieler Hafenkneipendrink. Erik Cohen will kein Intellektueller sein. Er versteht es gleichzeitig aber auch, wie schon damals als Jack Letten, kleine, prollige Einlagen mit seinem trockenen Humor vor der Peinlichkeit zu bewahren. Er ist und bleibt ein Original. Egal, unter welchem Namen er auftritt.

Erik Cohen auf Tournee:

23.02. Düsseldorf, Zakk

24.02. Hannover, Mephisto

15.03. Dresden, GrooveStation

16.03. München, Backstage

17.03. Wiesbaden, Schlachthof

07.04. Kiel, Orange Club

Alexander Diehl

Audio CD
Bewertungüberzeugend
CD-TitelIII
Bandname/InterpretErik Cohen
GenreDeutschrock
Erhältlich ab26.01.2018
LabelRyl Nkr Recordings
VertriebRough Trade
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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