Musik / CD

A Perfect Circle: Eat The ElephantComeback mit "Törö!"

Inzwischen ist es zwölf Jahre her, dass Maynard James Keenan zuletzt Musik im großen Stil veröffentlichte, das letzte Tool-Album "10.000 Days". Danach konzentrierte sich Maynard hauptsächlich auf seine Tätigkeit als Winzer, und musikalisch tauchte er mit dem experimentellen Quasi-Soloprojekt Puscifer in die Nische ab. Seit einer gefühlten Ewigkeit schreien Fans und Medien ununterbrochen nach einem neuen Tool-Album (es soll ganz bestimmt 2018 erscheinen). Doch zunächst reaktiviert der 54-jährige Sänger nun eine Allstar-Formation, die noch länger als Tool von der Bildfläche verschwunden war, aber auch nie in Vergessenheit geriet: Nach "Mer de Noms" (2000), "Thirteenth Step" (2003) und "eMotive" (2004) feiern A Perfect Circle mit "Eat The Elephant" ein elefantöses Comeback.

Es ist eine Rückkehr, mit der man nach 14 Jahren Pause kaum noch gerechnet hatte, mit einem Album, das viele Fans irritieren wird. Es beginnt schon beim Titel, also der Aufforderung dazu, einen Elefanten zu verspeisen. An einen echten Dickhäuter wird niemand denken. Geht es vielleicht um den Elefanten als Symboltier der republikanischen Partei und um Donald Trump? Immerhin war auch das bisher letzte APC-Album "eMotive", eine pazifistische Cover-Sammlung, stark politisch geprägt. Vielleicht geht es aber, etwas abstrakter, auch um das Überwinden großer Hindernisse? Auch das würde zu Maynard passen, der sich seit jeher gerne mit Themen wie individueller Stärke und spiritueller Selbstreinigung befasst. Aber was soll dann dieser Onkel-Fester-Verschnitt mit dem Tentakel-Herz auf dem Cover?

Große Hilfestellungen beim Interpretieren der Inhalte von "Eat The Elephant" werden wie üblich verweigert, letztlich muss beziehungsweise darf sich der Hörer seinen eigenen Reim machen. Auch darauf, dass Maynard James Keenan, der nerdige Prog-Rock-Transzendentalist und Fibonacci-Jünger, neuerdings bei so profanen Pop-Themen wie Willy Wonka, Major Tom und Prinzessin Leia landet ("So Long, And Thanks For All The Fish") und in einem Song ("Disillusioned") konkret die Smartphone-Kultur kritisiert.

Maynard, so scheint es, ist auf der Erde gelandet. Und er hat dort mit Billy Howerdel, dem musikalischen Kopf von A Perfect Circle, wohl auch ein bisschen Radio gehört. Die scherzhafte Douglas-Adams-Hommage "So Long, And Thanks For All The Fish" etwa ist waschechter Hurra-Pop, daneben hört man Folk-Elemente ("Delicious"), schrille Techno-Synthies samt Vocoder-Exzess ("Hourglass") und im abschließenden Stück "Get Out The Lead" einen Beat, auf den man auch prima rappen könnte. Die Gitarre (unter anderem gespielt von James Iha, Smashing Pumpkins), kommt dagegen nur noch punktuell zum Einsatz.

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Während einige der Stücke wie die epischen Brecher "The Doomed" oder "Talk Talk" nachvollziehbar an frühere Werke anknüpfen, eröffnen viele andere komplett neue musikalische Räume. A Perfect Circle als Ideal schummrig-barocker alternativer Rockmusik - das war einmal.

Eine alternative Band ist A Perfect Circle natürlich immer noch, man hat sich eben nur ein herausfordernd neues Profil zugelegt und nimmt sich nicht mehr ganz so ernst wie früher. Die Gruppe strampelt sich spektakulär frei von jeder fixen Idee, wie Musik von A Perfect Circle zu klingen hat, und Maynard erhebt seinen kauzigen Humor zu einem tragenden Element, statt ihn weiterhin subtil zwischen den Zeilen zu verstecken.

All das trägt dazu bei, dass A Perfect Circle mit "Eat The Elephant" keinen qualitativen, aber wieder einen beachtlichen künstlerischen Sprung machen. Dass Maynard nach unzähligen Weinverkostungen womöglich nicht mehr die Stimme hat, mit der er einst zum gefeierten Rockstar wurde - geschenkt. Wenn er "Good night, sleep tight" singt, läuft allemal noch ein kalter Schauer den Rücken hinauf. Sein Hunger als Kreativer scheint jedenfalls nach wie vor für einen ganzen Elefanten zu reichen, und nach dieser kleinen Tabula rasa darf man umso gespannter darauf sein, was aus dem neuen Album von Tool wird.

John Fasnaugh

Audio CD
Bewertungausgezeichnet
CD-TitelEat The Elephant
Bandname/InterpretA Perfect Circle
GenreAlternative Rock
Erhältlich ab20.04.2018
LabelBMG Rights
VertriebWarner
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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