Musik / CD

Andreas Dorau & Gereon Klug: Koenig der MoewenLieder gegen die Gentrifizierung

Andreas Dorau ist einer der ganz Großen, aber leider auch einer der vielen Unterschätzten des deutschen Pop. Mit "Fred vom Jupiter" gelang ihm 1981, da war Dorau gerade einmal 17 Jahre alt, einer der seltsamsten Hits der Neuen Deutschen Welle. Anschließend geriet Dorau aus dem Blickfeld von Pop-Deutschland. Und eigentlich könnte die Geschichte des Hamburger Pfarrerssohns hier enden, wenn Dorau nicht stur weiter Musik gemacht hätte und im vergangenen Jahr mit "Die Liebe und der Ärger der Anderen" dann doch noch wiederentdeckt worden wäre (Platz 56 der deutschen Charts!). Jetzt hat der 54-Jährige zusammen mit Gereon Klug ein Musical geschrieben, das auch als Album erscheint und auf den schönen Titel "Koenig der Moewen" hört.

Wobei die Herren Dorau und Klug, so schreibt das zumindest die Plattenfirma, das Wort "Musical" so gar nicht mögen. Eine "musikalische Dramödie" sei ihr Werk. Bitteschön. Uraufgeführt wird dieses Nicht-Musical Anfang August im Hamburger Kampnagel, in sicherer Entfernung zum "König der Löwen" auf der anderen Seite der Elbe. Nach- beziehungsweise vorhören lässt sich die Geschichte, die Dorau und Klug erzählen, schon jetzt. Gereon Klug ist nicht nur Tourmanager der legendären Comedytruppe Studio Braun, sondern auch Mitinhaber des Hamburger Plattenladens Hanseplatte. Und genau darum geht's in "Koenig der Moewen": um einen Hamburger Plattenhändler namens Hans, der von der um sich greifenden Gentrifizierung in seinem Stadtviertel bedroht wird.

"Die normal verdienende Bevölkerung und kleinere inhabergeführte Läden sind beinahe vertrieben zugunsten einer besser situierten Klientel, die nichts anderes will als Erfolg auf materieller wie auf ästhetischer Ebene", erklären Dorau und Klug in einem einleitenden Essay. "Koenig der Moewen" spielt im Hamburger Schanzenviertel, könnte aber ebenso gut am Prenzlauer Berg in Berlin oder am Münchener Glockenbach angesiedelt sein.

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Eröffnet wird das Album mit einem typischen Dorau-Song. "Wir haben Feel-, Feel-, Feelingsgefühle", singt Dorau in seiner unnachahmlichen Dada-Poesie; "Der Regenbogen ist uns zu klein / Uns fallen doch noch mehr Farben ein". In einer besseren Welt wäre "Feelingsgefühle" ein Sommerhit. Aber die Welt ist eben nicht gut, und deswegen verliert "Koenig der Moewen"-Held Hans auch seinen geliebten Plattenladen ("Wie konnte nur geschehen, was geschah? / Alles was ich liebte, ist nun nicht mehr da / Die Situation ist fürwahr prekär / Ich bin ein Kronkorken auf dem Meer"). Dann quartiert er sich bei seinen Eltern ein und feiert irgendwann mit Tocotronic und Udo Lindenberg im "Hamburger Keller".

Neben Dorau versammelt "Der Koenig der Moewen" noch Carsten Friedrichs (Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen), Julia Wilton (Das Bierbeben) und andere Hamburger Indie-Größen vor dem Mikrofon, um zu allerschönstem Gitarren- und Elektropop gegen die Gentrifizierung anzusingen.

Der große Aufstand gegen die Ungerechtigkeit, er bleibt letztendlich aus. "Und so gegen 7 Uhr / Kommt auch schon die Müllabfuhr / Fegt routiniert die Scherben auf / Die Revolution fiel erneut aus", singt Julia Wilton auf "So ist hier der 1. Mai". Als "einen Humor, der sich an der Beschissenheit der Welt und den Zumutungen der Moderne abarbeitet", hat Gereon Klug seine Art des Geschichtenerzählens in einem "Zeit"-Interview einmal beschrieben. Das trifft's ganz gut.

Sven Hauberg

Audio CD
Bewertungausgezeichnet
CD-TitelKoenig der Moewen
Bandname/InterpretAndreas Dorau & Gereon Klug
Erhältlich ab03.08.2018
LabelTapete Records
VertriebIndigo
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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