Musik / CD

VSK: Wo die Wilden Kerle FlowenFlow doch mal wie früher!

Wir befinden uns im Jahr 2018. Der Deutschrap ist von Autotune-gurgelnden Schlagersängern, materialistischen Drogenjunkies und militanten Gewaltverherrlichern besetzt. Der ganze Deutschrap? Nein. Eine unbeugsame Bande huldigt den Anfängen und schafft schmerzfrei den Spagat zwischen Nostalgie und Selbstironie: Das Verbale Style Kollektiv (kurz VSK) versteckt sich da, "Wo die Wilden Kerle Flowen".

Das Jahr 2013 spült mit dem Song "Von allen guden Geistern verlassen" das erste musikalische Lebenszeichen der Gruppe Verbales Style Kollektiv ins Internet. MC Bleistift, MC Schreibmaschine, DJ Ratzefummel und noch ein paar weitere programmatisch betitelte Künstler klingen so wie deutscher Rap ab Mitte der 90-er klang. Die Kommentarspalten sind verwirrt. Endlich wieder Mucke wie früher auf'm Pausenhof, und sogar besser produziert. Aber irgendwas ist faul an der Sache. Nicht nur die Wahl der Künstlernamen ist schräg, auch die Wortspiele und Vergleiche und das große Selbstbewusstsein, mit dem altbackener Slang vorgetragen wird: "Wir stehen unter Strom, um wieder derbe zu rocken."

Zur Erklärung: Hinter VSK verstecken sich unter anderem die Deutschrapper von K.I.Z., die immerhin auch schon mal als Schwarzwälder Kirschtorten in Erscheinung traten und um keinen Gag verlegen sind. Fünf Jahre später haben VSK diesen Gag auf über sechzig Minuten ausgeweitet. Das kann nur deshalb funktionieren, weil sie nicht nur parodieren, sondern auch mit ernsthaftem Interesse im Stil früher Deutschrap-Gruppen musizieren. Hat man den ersten Aha-Effekt überwunden, wirkt der Humor subtiler, und die süße Unschuld der Vergleiche unterhält: "Jeder von uns einzigartig wie Schneeflocken / die Fans klatschen in die Hände wie Seerobben."

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VSK "representen" und "battlen", meinen damit aber eben nicht den Battle-Rap, der als angeblich schützenswertes Rap-Kulturgut ins Feld geführt wird, um etwa Kollegah und Farid Bang zu verteidigen. Vermutlich ist die gesunde Portion Ironie das einzige Mittel, diesen Sound wieder zu beleben, ohne zu wirken, als wäre man hängengeblieben. Sie ermöglicht auch, sich zum Zweck des Battles in einem binären Realness/ Fakeness-Weltbild zu bewegen, in dem ein guter Rapper auch ein guter Graffitisprüher sein muss und mit einem Major-Deal automatisch zu einem schlechten Rapper wird.

All das ist bei VSK nicht so ganz ernst gemeint und holt trotzdem Fans des deutschen Rap der 90er-Jahre ab, ohne dass die sich durch den Kakao gezogen fühlen. Kurz: Das Verbale Style Kollektiv schafft es, lustig zu sein und gleichzeitig gute Musik zu machen. Klingt offensichtlich, ist aber im HipHop-Geschäft kein leichter Spagat. Beat-Tüftler Fanta Yokai und DJ Ratzefummel schlagen sich mit 90 Schlägen die Minute kontinuierlich durch den Platten-Dschungel und sorgen für Nostalgie-Momente. "One Love" dreht die Uhr zurück und erinnert an die Kassetten, die einst vom Hamburger Label Eimsbush vertrieben wurden, sowie an die Pioniere Advanced Chemistry und Mr. Schnabel. Ein paar Tracks weiter bekommt sogar Beatbox-Rocker Westbam einen "Shoutout". Keine Frage: Das hier ist nicht nur ein Gag. Das ist voller Liebe.

Mathis Raabe

Audio CD
Bewertungausgezeichnet
CD-TitelWo die Wilden Kerle Flowen
Bandname/InterpretVSK
Erhältlich ab10.08.2018
LabelBeat the Rich!
VertriebUniversal Music
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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