Musik / CD

Doyle Bramhall II: ShadesAlleingang mit Stil

Das Erste, worüber man staunt, ist die Art und Weise, wie Doyle Bramhall II Gitarre spielt. Linksherum, nun gut, das ist nichts Besonderes. Dass er dabei die Saitenfolge jedoch nicht anpasst und somit die dünnste ganz oben sitzt - das ist dann doch sehr ausgefallen. Für den Durchschnitts-Rechthandgitarristen fühlt sich das in etwa so an, als wenn jemand kopfüber am Schreibtisch sitzt und gleichzeitig mit links einen Text zu Papier bringt. Weit weniger spektakulär, aber dennoch zum Staunen sind die Songs des 49-jährigen Texaners: Bluesrock, Funk, Soul, dazu ein Hang zum Balladesken, das sind die groben Eckpunkte auf dem neuen Album "Shades".

In der Szene hat sich Doyle Bramhall II, dessen Vater Doyle Bramhall unter anderem mit Stevie Ray Vaughan musizierte, längst einen Namen gemacht. Er spielte lange an der Seite von Eric Clapton, war Gitarrist bei Roger Waters, auch Elton John und Gregg Allman tauchen in der Referenzliste auf. Und ja, etwas Gossip gab es auch: Bramhall II war vor einigen Jahren kurzzeitig mit Sheryl Crow liiert, ihre Nachfolgerin Renée Zellweger geriet in die Schlagzeilen, als publik wurde, dass sie Bramhall II finanziell unter die Arme greift.

Das alles mag nicht wirklich zu "Shades" passen, einem Album, das sich extrem gelassen gibt. Nicht angestrengt, nicht um jeden Preis auffallend, nicht hitverdächtig. Sicher, es ist nett, dass Eric Clapton ein Solo zu "Everything You Need" beisteuert und dass Norah Jones, die bereits auf dem Vorgänger "Rich Man" (2016) als Duettpartnerin agierte, die Qualität des Seelenstreichlers "Searching For Love" noch weiter in die Höhe treibt. In erster Linie lebt die Musik aber von der Flexibilität ihres Erschaffers.

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Gesanglich agiert Bramhall II ab und zu im Stile eines Lenny Kravitz, er zieht sich jedoch auch gerne in seine eigene, etwas schüchterne Art zurück. Instrumental changiert er wie zwischen Planeten: Vieles wiegt sich ruhig im Wind, anderes, etwa der starke Opener "Love & Pain" mit seinem Bezug zum Festivalmassaker von Las Vegas oder das orientalisch angehauchte Stück "Parvanah", wirkt hingegen recht aufgewühlt.

Am Ende gibt es vor allem eines zu bestaunen: den enormen Facettenreichtum, mit dem Doyle Bramhall II "Shades" zu einer ebenso kontrastreichen wie schlüssigen Momentaufnahme seines Lebens macht. Vom rockigen Titel "Live Forever" (featuring Greyhounds) über in sich ruhende Liebesbezeugungen wie "She'll Come Around" bis zum abschließenden Dylan-Cover "Going Going Gone" (featuring Tedeschi Trucks Band): Mit den Songs auf seinem fünften Soloalbum könnte Doyle Bramhall II zumindest ein Stück weit aus dem Schatten seiner prominenten Weggefährten treten.

Alexander Diehl

Audio CD
Bewertungüberzeugend
CD-TitelShades
Bandname/InterpretDoyle Bramhall II
Erhältlich ab05.10.2018
LabelMascot Label Group
VertriebRough Trade
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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