Musik / CD

Twenty One Pilots: TrenchWenn die neonfarbenen Grabsteine nach dir rufen

Ihr Konzept ist es, verschiedenste Stile pfiffig zu kombinieren. Vielleicht haben sie aber auch gar kein Konzept. So oder so, der Erfolg von Twenty One Pilots lässt sich nicht wegdiskutieren. In den USA sind Tyler Joseph und Josh Dun mit 35 Millionen verkauften Alben bereits Superstars, und auch hierzulande sieht man in den U-Bahnen und Einkaufszentren immer mehr Mitglieder der Skeleton Clique (so nennen sich die Fans des Duos). Aus den Scharen von Jugendlichen mit TOP-Caps, -Beanies und -Kapuzenpullis wird allmählich eine Legion - und das alles wird jetzt wahrscheinlich noch viel schlimmer, denn mit "Trench" gibt es ein neues Album.

Vor zehn Jahren hätte man die Musik von Twenty One Pilots noch als "Emo" bezeichnet, heute laufen die beiden US-Musiker eher unter dem Label "Indie", manchmal auch "Alternative". Joseph und Dun sind allerdings längst beim fetten Major-Deal angekommen, und was sie auf ihrem fünften Album spielen, hat mit Indie oder Alternative natürlich auch nichts mehr zu tun.

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Im hochmodernen Opener "Jumpsuit" dröhnen bedrohliche Bässe und Synthesizer, im Wechsel mit Gekreisch und Gebrüll gibt es aber auch ein bisschen zart eierndes Gesäusel. Im zweiten Song "Levitate" wird dann zu einem Beat gerappt, den man sich durchaus auf einem seriösen TripHop-Album vorstellen könnte. Wenn sich Sänger Tyler im dritten Titel "Morph" dann in jemand anderen verwandeln will, hören wir plötzlich auch so etwas wir Soul und R'n'B. Je weiter man vordringt in dieses effektreich durchproduzierte Wundertüten-Album, desto schwerer wird es, den Stil von Twenty One Pilots zu erfassen. Wenn man dann am Ende angekommen ist und auf dem Weg auch noch Wave- und Rock-Elemente gehört hat, versteht man es: Twenty One Pilots spielen SEO-optimierten Für-jeden-was-dabei-Pop mit quasi allem, was zuletzt in den Charts verschlagwortet wurde.

Was die Songs auf "Trench" dann doch eint, sind die immer ein wenig düster wirkenden Gedanken und Gefühle. Beklemmung, Unsicherheit, don't believe the hype, das Leben ist kompliziert. "What's my problem?" - "Neon gravestones try to call for my bones." Damit kann man bei Teenagern landen, klar, auch wenn das alles ein wenig beliebig und manchmal auch sehr anstrengend ist. Die Twenty One Pilots haben es damit aber immerhin auch schon zu einem Grammy und jüngst wieder zu einem Live-Auftritt bei den American Music Awards gebracht - eine bessere Motivation kann es für DIY-Nachwuchsmusiker eigentlich nicht geben.

John Fasnaugh

Audio CD
Bewertungakzeptabel
CD-TitelTrench
Bandname/InterpretTwenty One Pilots
Erhältlich ab05.10.2018
LabelFueled By Ramen
VertriebWarner
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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