Musik / CD

Mark Forster: LiebeHauptsache gute Laune

Momentan kommt man an Mark Forster einfach nicht vorbei. Ob als Coach in der Castingshow "The Voice of Germany", als Gast bei "Inas Nacht" oder mittels Dauerbeschallung im Radio: Der immer gutgelaunte Käppi-Träger ist omnipräsent. Das wird erst einmal auch so bleiben, schließlich erscheint nun sein neues Album "Liebe". Darauf besingt der Pfälzer, wie in seiner Single "Einmal" exemplarisch zu hören ist, "Freude, Trauer, Liebe, Wahnsinn". Unwillkürlich fühlt man sich dadurch an Jan Böhmermanns Satire-Song "Menschen, Leben, Tanzen, Welt" erinnert. Auch der Rest des Albums geht nur selten über Phrasendrescherei und typische Pop-Melodien hinaus.

Den 16. November hat sich Mark Forster in seinem Kalender sicher rot angestrichen, schließlich gibt es für den Deutschpop-Daueroptimisten zweierlei zu feiern. Denn nicht nur sein viertes Album "Liebe" erscheint an diesem Tag. Der 34-Jährige wird auch mit dem Bambi in der Sparte "Musik National" ausgezeichnet, wie schon vorab bekannt wurde. Forster feiere "das Leben und die großen Gefühle" und verbreite einen "schier unterschütterlichen und ansteckenden Optimismus", so die Begründung der Jury.

Mit den Songs seines neuen Albums macht sich Forster nun auf, endlich die Nummer eins der Charts zu erklimmen. Bisher hat es der "Chöre"-Sänger nämlich mit keinem seiner Solo-Hits ganz nach oben geschafft. Lediglich im Duo Eff mit DJ Felix Jaehn stürmte "Stimme" 2015 an die Spitze der Charts.

mehr Bilder

Die bereits erwähnte Single "Einmal" funktioniert als Abziehbild des ganzen Albums. Der Song, in dem Forster über einmalige Erlebnisse seines Lebens singt, passt ganz wunderbar in die Zeit des braven, innovationsscheuen Mainstream-Pop, der gerade so erfolgreich ist. Schnell hat man die eingängige Hook im Kopf, die untermalt ist mit Chorgesängen des African's Chlidren's Choir. Den hat der Sänger über Netflix entdeckt und flog zum Recorden flugs nach Uganda. Doch selbst damit gelingt es nicht, den Song in die musikalische Einmaligkeit zu erheben, die Forsters PR-Abteilung verspricht.

Überhaupt legen sich die Promoter des Sängers mächtig ins Zeug, attestieren ihm sogar die Erfindung einer "leichten Schwere" in seinen Songs. Leicht sind sie, etwa das stimmungsvolle Stück "Nimmerland" mit R'n'B-Einflüssen oder "Danke, Danke", eine schmissige Zusammenarbeit mit Rapper Sido. Zur Schwere fehlt aber definitiv die Tiefe in den Texten. "Ich versuche so zu singen, wie ich auch spreche und denke", gab Forster einst zu Protokoll. Orientiert man sich an "Liebe", sind seine Gedanken demnach voll von Anglizismen, erzwungenen Reimen und Binsenweisheiten.

Eine Ausnahme gibt es dann aber doch, nämlich das Highlight des Albums: "Genau wie du". In dem stimmigen Song, der sich mit sanftem Fingerpicking auf der Gitarre wohltuend von den bombastischen Beats des restlichen Albums abhebt, singt Mark Forster von seiner Liebe zu seinem Vater. Und plötzlich klingt der Bartträger authentisch, das musikalische Arrangement abgerundet. Selbst die bei Forster scheinbar obligatorischen Streicher fügen sich nahtlos ein. Und man fragt sich, warum nicht mehr Songs auf "Liebe" nach diesem Muster gestrickt sind. Vielleicht, weil sie einfach weniger Nummer-Eins-Potential besitzen.

Julian Weinberger

Audio CD
Bewertungenttäuschend
CD-TitelLiebe
Bandname/InterpretMark Forster
Erhältlich ab16.11.2018
LabelFour Music
VertriebSony
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


Versenden Drucken

Weitere Artikel



Mark Forster - Einmal

CD-Archiv

CD-Archiv

Suche in der Radio Berg - CD-Datenbank nach Interpreten und/oder CD-Titeln.

Ticketshop

Sicher Dir im Radio Berg Ticketshop die Tickets Deiner Wunschveranstaltung!

Anzeige
Zur Startseite