Musik / CD

Schuldenkrise, Populisten an der Macht - hat Italien ein Problem? Wen interessiert's? Eros Ramazzotti jedenfalls nicht. Der Mann, der in deutschen Medien den obligatorischen Beinamen "Schmusebarde" trägt, hat sein 15. Studioalbum "Vita Ce N'è" - vielleicht nicht ganz überraschend - der Liebe gewidmet. "Liebe ist das Zentrum allen Optimismus, an den wir noch alle glauben können", erklärt der 55-Jährige. So wirkt sein Album auf den ersten Blick zwar nett, aber irrelevant. Dass sich der Eindruck dann auch beim Anhören bestätigt, liegt aber letztlich nicht an der Themenwahl - sondern schlicht an Ramazzottis Trägheit.

Mit 20 Prozent des Aufwands kann man 80 Prozent des Ergebnisses erreichen. Für die restlichen 20 Prozent braucht es dagegen 80 Prozent Aufwand. Diese Regel, auch Paretoprinzip genannt, wird im Büroalltag gerne zitiert. Es scheint fast, als hätte Ramazzotti sie auch auf sein neues Album angewendet.

Natürlich weiß der Sänger, wie man Glanzlichter setzt. Diesmal nutzt er dafür vor allem Gaststars, in "Vale Per Sempre" etwa Alessia Cara, die dem Duett mit ihrer markanten Stimme Herz verleiht. Auch in Luis Fonsi hat Ramazzotti einen guten Partner gefunden. Zwar ist "Per Le Strade Una Canzone" kein zweites "Despacito" (Gott sei dank), der Song wird aber sicher im Strandcafé gute Laune machen und abends die Gäste aus den weißen Plastikstühlen auf die Tanzfläche treiben, noch ehe sie den ersten Cocktail geleert haben. Für "Primo Piano" lieferte Lorenzo Jovanotti seinen Beitrag als Songwriter. Die schwelgerische Klavierballade fährt im großen Finale Chorklänge, dramatische Drumrolls und ordentlich Hall auf und ist damit sicherlich mächtig kitschig, aber sie erzielt trotzdem ihre Wirkung.

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Aber letztlich gibt es von diesen Glanzlichtern gerade so viele, wie es nötig ist, um ein gesichtsloses zu einem ordentlichen Album zu machen. Zu formelhaft ist ansonsten der Instrumenteneinsatz (Es wird traurig? Schnell, ein Klavier!), zu glatt die Produktion. Auch in einzelnen Songs baut Ramazzotti gerne mal einen Hinhörer ein (etwa den Elektro-Einschlag in "Una Vita Nuova"), zieht das aber selten so konsequent durch, dass es das allgemeine Wohlfühlgedudel durchbrechen würde.

Dass an das Ende des Albums noch eine lieblos recycelte Zweitversion der eigentlich hübsch energetischen Einstiegsnummer "Per Il Resto Tutto Bene" drangeklatscht wurde, in dem Helene Fischer fürs deutsche Publikum auf Englisch singen darf, bestätigt den Eindruck: Ramazzotti würde gerne die Früchte ernten, hart arbeiten will er dafür nicht mehr.

Audio CD
Bewertungakzeptabel
CD-TitelVita Ce N'è
Bandname/InterpretEros Ramazzotti
Erhältlich ab23.11.2018
LabelPolydor
VertriebUniversal Music
Quelle: "teleschau - der mediendienst"



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