Musik / CD

"Emigrate bringt mich ins Gleichgewicht" - mit diesen Worten brachte Richard Kruspe die Bedeutung seiner Zweit-Band einmal auf den Punkt. Sie ist offenbar eine Art Gegenpol zu den auch in diesen Tagen medial allgegenwärtigen Rammstein. Statt im Rampenlicht von Rekord-Ticketverkäufen und Rechtsstreitigkeiten zu stehen, kann der Gitarrist, Sänger und Songwriter auch auf dem dritten Emigrate-Album "A Million Degrees" gemeinsam mit Kollegen und Freunden frei aufspielen.

Scheuklappen und Showgigantismus werden abgelegt. Zugunsten der Musik. Eine Einordnung fällt wie bereits bei den Vorgängern "A Silent So Long" (2014) und "Emigrate" (2007) nicht leicht. Mit dem Opener "War" wird ein düsteres, elektronisch-orientalisches Szenario aufgeschichtet, nur um dieses mit dem darauffolgenden "1234" umgehend zum Einsturz zu bringen und den etwas irritierten Hörer vom Sofa auf die Tanzfläche zu zerren. "Eins, Zwo, Drei, Vier. Everybody down" - Kruspe und seine Mitmusiker aus den Reihen von Billy Talent haben den Laden im Handumdrehen im Griff. Marschrichtung geradeaus. Widerstand zwecklos.

Überhaupt, die Gäste. Auch diesmal spielen sie eine entscheidende Rolle. Neben Kruspes Partnerin Margaux Bossieux, die den treibenden Schwarzlicht-Rocker "Lead You On" mit ihrer Stimme verführt, stechen zwei prominente Meister ihres Fachs heraus: Cardinal Copia, der sein Ghost-Flair wie ein edles Parfüm über das ansonsten eher unauffällige "I'm Not Afraid" versprüht, und der Herr, den sich sicherlich viele herbeigesehnt hatten: Till Lindemann.

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Der Rammstein-Sänger gönnt sich auf "Let's Go", dessen Beginn an die Elektro-Pionierzeit erinnert, ein Duett mit seinem Bandkollegen. Der eine singt deutsch, der andere englisch. Der eine gibt sich international versiert, der andere rollt wie gewohnt sein "r", gemeinsam steigen sie mit dem erhabenen Refrain die Treppe des atmosphärisch durchgestylten Songs hinauf.

Ansonsten gibt es auf "A Million Degrees" wieder einige, nun, "Emigranten", die sich weitab des Universums bewegen, in dem Kruspe mit seiner Stammband unterwegs ist: Eine lockere Na-na-na-na-na-Linie? "Spitfire" geht als klassischer Hardrocker mit feierlustigem Seitenblick durch. "We Are Together" ist eine Hymne, die sich mit düsterem Charme betrinkt, um anschließend im sentimentalen Pathos zu baden, während sich hinter "You Are So Beautiful" tatsächlich eine hübsche, entspannte Poprocknummer verbirgt, welche selbst vor einer U2-artigen Linie nicht zurückschreckt.

Alles ist erlaubt, sowohl in Bezug auf die Einladungskärtchen für die Gäste als auch in Bezug auf die Dramaturgie des Events. Richard Kruspe hat mit dem dritten Emigrate-Streich einmal mehr aufgezeigt, dass er sich auch außerhalb von Rammstein kreativ auf der Höhe der Zeit befindet.

Audio CD
Bewertungausgezeichnet
CD-TitelA Million Degrees
Bandname/InterpretEmigrate
Erhältlich ab30.11.2018
LabelVertigo
VertriebUniversal Music
Quelle: "teleschau - der mediendienst"



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